Landtagspräsidentin Aigner besucht Wasserwacht Chieming

 



Um das Engagement der Helfer im ehrenamtlichen Wasserrettungsdienst zu würdigen besuchte die Präsidentin des Bayerischen Landtags Ilse Aigner die Rettungsstation der Wasserwacht Chieming und tauschte sich mit unseren Mitgliedern aus. Beim gemeinsamen Termin durften wir Frau Aigner gemeinsam mit der Wasserwacht Tengling und der Wasserwacht Übersee aktuelle Entwicklungen wie den Einsatz von Jetskis zur Wasserrettung vorführen.

 



Begleitet wurde Sie bei ihrem Besuch am Chiemsee vom BRK Landesgeschätsführer Leonhard Stärk, dem Vorsitzenden der Wasserwacht Bayern Thomas Huber und dem Technischen Leiter der Wasserwacht Bayern Marcus Röttel. Wir bedanken uns für den Besuch und das offene Ohr für die Bedürfnisse unserer Mitglieder. 


Das Video zum Besuch: 



 

Weitere Hintergründe im Artikel von Merkur.de:


Wasserwacht Bayern will aufrüsten: Hochwasser-Katastrophen häufen sich – Nichtschwimmer-Rate nimmt zu

Bäche werden zu reißenden Flüssen und von Hügeln stürzen Schlammlawinen: Die Katastrophen bringen die Bayerische Wasserwacht an ihre Grenzen. Um sich für die Zukunft zu wappnen, fordern die Wasserretter eine Reform – und planen sogar ein in Europa einzigartiges Projekt.


ChiemingSobald es tagelang in Strömen regnet, werden größere Flüsse in Bayern streng überwacht. Wann die Pegel über die Ufer steigen, kann meist genau berechnet werden. Dann stehen die Rettungsdienste in Alarmbereitschaft, befüllen Sandsäcke und stellen mobile Wasserschutz-Wände auf. Bis zu 24 Stunden Vorlaufzeit braucht ein Wasserrettungszug aber für einen solchen Katastrophenfall. Ein Tauch- und Motorbootstrupp müssen zusammengestellt und Strömungs- und Luftretter angefordert werden. Doch die Katastrophenfälle, zu denen die Wasserwacht in den vergangenen Jahren gerufen wurden, haben sich verändert. Die Trupps haben meist keinen ganzen Tag mehr Zeit, um sich zu wappnen.




„Starkregen, Sturmfluten, Hagel und Erdrutsche: Das Klima verändert sich und dadurch häufen sich die extremen Wetterereignisse“, sagt Thomas Huber, der Landesvorsitzende der Wasserwacht Bayern. Die Einsatzlagen spitzen sich nicht nur an den größen Flüssen zu. Immer öfter schwellen kleinere Bäche zu reißenden Flüssen an. Hänge werden zu Muren und verschütten ganze Dörfer mit Schlamm und Geröll. „Die Einsätze werden immer drastischer. Daher müssen wir uns für die Zukunft völlig neu aufstellen“, sagt Huber. Das Hochwasser in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, aber auch im Berchtesgadener Land hätte zwar gezeigt, dass die Wasserettungsdienste gut zusammenarbeiten, aber auch erneut Schwachstellen im Katastrophenschutz offenbart.

Wasserwacht Bayern fordert umfassende Reform

„Unsere Wasserrettungszüge arbeiten nach Richtlinien, die vor 20 Jahren erstellt wurden – anhand der 50 Jahre Erfahrung davor“, sagt Huber. Doch allein in den vergangenen zehn Jahren habe sich viel verändert. „Daher braucht es eine Reform: Wir müssen schneller einsatzbereit sein, Arbeitsbedingungen verbessern, die Technik anpassen und mehr Geld in die Ausbildung investieren.“

Vor allem im Bereich der Helfer-Bereitstellung sieht Huber Handlungsbedarf: „Ehrenamtliche Feuerwehrmänner können vom Arbeitgeber die Erlaubnis erhalten, auszurücken, sobald die Sirene im Ort ertönt – hier muss der Gesetzgeber auch für Wasserretter nachjustieren.“ Einsatzleiter und Bootsführer könnten zudem schneller am Einsatzort sein, wenn sie dazu berechtigt wären, mit Blaulicht zu fahren. Daher fordert Huber auch, das Schifffahrtsrecht anzupassen und Rettungsboote nicht mehr nur mit Gelblicht auszustatten. Auch technisch könnte aufgerüstet werden: Für größere Strömungen braucht es stärkere Motorboote. Mehr Nottauchgeräte und Sensoren zur Ortung von Menschen und Gegenständen müssen angeschafft werden. „Wir brauchen kleine Aluboote, Quats und Jetskis, um durch enge Gassen fahren oder abgeschnittene Orte erreichen zu können“, sagt Huber.





Um ihr Engagement zu würdigen, besuchte nun die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner (CSU), die Wasserwacht in Chieming (Kreis Traunstein). „Bei sommerlichen Temperaturen zieht es uns an die heimischen Flüsse und Seen – und Bayern ist in diesem Jahr leider trauriger Vorreiter bei den Badetoten.“ Von bundesweit insgesamt 184 Badetoten, starben bis Juli 29 in Bayern. Erst am Wochenende ertranken im Kreis Traunstein, Starnberg und Dachau wieder drei Männer.





Ob Lebensretter am Badesee oder bei Hochwasser, die Ausbildung der Ehrenamtlichen ist auch künftig entscheidend, so Huber. Um Unfallszenarien realistisch und überregional üben zu können, wünscht sich Bayerns Wasserwacht deshalb ein eigenes Ausbildungszentrum samt Trainingsgelände mit Flusszugang und Strömungskanal. „Das Konzept steht und Gebiete haben wir schon im Kopf“, sagt Huber. Vorbild könnte das Ausbildungszentrum der Bergwacht in Bad Tölz sein. Ein solches Zentrum für Wassergefahren wäre in Europa das erste seiner Art. Doch dafür ist die Wasserwacht auf eine staatliche Finanzierung angewiesen.

Cornelia Schramm, Merkur.de, 15.08.2021
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Fotos: Wasserwacht Bayern

 

Landtagspräsidentin Aigner besucht Wasserwacht Chieming